Streetart gibt es nicht nur in London, New York und Berlin. Von Nairobi bis Dar es Salaam ragen Murals, Graffitis und Schriftzüge von Künstlern wie Bankslave, Wachata Crew, Sparrowuganda und Muntu621 von den Häuserfassaden. Ihre Werke machen es unmissverständlich klar: Kunst in Ostafrika ist mehr als Korbwaren und Holzschnitzereien.

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Streetart in Kigali, Ruanda von den Künstlern Muntu621 (Ruanda), Viktart (Kenia) und Monk.e (Kanada)

Die Sprühdose als Medium für den politischen Wandel

Wer sprüht, erzählt eine Geschichte. Manchmal ist diese persönlich, meistens gesellschaftspolitisch. Häuserwände, Mauern und Minibusse der ostafrikanischen Metropolen dienen Künstlern als Leinwände für ihre Nachrichten. Ein zentrales Thema ist die Korruption. Auch heute noch landen öffentliche Gelder häufig in privaten Taschen. Streetart-Künstler nebst Musikern und Filmproduzenten klagen in ihren Werken die Machthaber an und hoffen den politischen Wandel so voranzutreiben.

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Nicht nur Korruption spiegelt sich in der Straßenkunst wider. Mit Kibera Walls for Peace entstand im größten Slum von Nairobi ein Graffiti-Projekt. Bunte Nachrichten in Sheng, der Sprache der Jugend, zieren die Wände in Kibera.

In Zeiten von Corona ist Streetart wichtiges Kommunikationsmittel, um den Menschen die Gefahren der Pandemie näherzubringen.

Matatu-Kultur: Bewegte Kunst in Kenia

Der einfachste und günstigste Weg sich durch Nairobis Straßen zu bewegen, sind Matatus. „Matatu“ ist Kiswahili und heißt übersetzt „drei Cent”. In den 1970er Jahren kostete so viel eine Fahrt, als die privaten Sammeltaxis neu aufkamen. Mittlerweile sind Matatus weit mehr als ein Transportmittel, sie sind kenianische Kultur. Schätzungsweise allein in Nairobi gibt es circa 20.000 Matatus. 

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In 2015 erlaubte der kenianische Präsident Uhuru Kenyatta, den Matatu-Besitzern nach einem Verbot, die Nahverkehrsbusse wieder farbenfroh und individuell aufzumotzen. Einige der Besitzer haben daraufhin die Innenräume der Minibusse mit LCD-Bildschirmen, Soundanlagen und WiFi ausgestattet. Andere haben ihre Fahrzeuge von innen und außen mit Lichtern und Graffitis dekoriert. Musiker, Sportler und Politiker, sie alle finden Platz auf den Matatus. Es ist ein Wettkampf, um die besten Designs und lautesten Auspuffs, entstanden. Einige der Matatus haben sogar WhatsApp- und Facebook-Gruppen.

Einer der Künstler, der Matatus besprüht, ist Mohamed „Moha“ aus Nairobi. Bei ihm bezahlen Matatu-Besitzer bis zu 15.000 US-Dollar, um ihre Busse mit Graffiti-Designs, Lautsprechern, LCD-Bildschirmen und schicken Sitzen auszustatten. 

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Aufgemotzt – Von Straßenkunst zur Auftragsarbeit

Die Matatu-Industrie ist nicht der einzige Wirtschaftszweig, der Streetart-Künstler für sich entdeckt. Graffitis haben sich von rebellischer Straßenkunst zu hipper Innenarchitektur entwickelt. Unternehmen drücken mit ihnen Individualität in ihren Verkaufsräumen aus. Künstler wie Bankslave und Swift9 werden von Hotels, wie dem Hilton Garden und Restaurants wie Nyama Mama in Nairobi beauftragt, um triste Ecken bunt zu machen. 

Auch international haben viele ostafrikanische Streetart-Künstler den Durchbruch geschafft. Und so stolpern Fußgänger in Städten wie in Adelaide, New Orleans und Dakar über Streetart aus Ostafrika. 

Im Rahmen der Kampagne #MyMarkMyCity haben sich Künstler und Bewohner in Nairobi zusammengetan, um die Straßen der Hauptstadt zu verschönern. Entlang der Kenyatta Avenue verwandelten sie Elektrizitätskästen, Blumentöpfe, Bänke und Fußgängerüberwege in Kunstwerke. Die Stadt ist durch sie optisch noch attraktiver geworden. 

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Bankslave – Vater des Streetart in Ostafrika

Kenias Streetart-Szene ist fast ein Vierteljahrhundert alt. Kevin Esendi alias Bankslave zählt zu den Künstlern der ersten Stunde. Der „Sklave des Geldes“ ist bekennender Gegner des Kapitalismus.

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Bankslave malt auf legalen Flächen. Sein Stück von Barack Obama, vor der US-Wahl 2008, machte ihn weltweit bekannt. Seine Arbeit ist auf den Straßen von Nairobi genauso wie in Europa, Westafrika und Australien zuhause. Seine Stücke sind Hommagen an Idole wie Michael Jackson, Miriam Makeba, Lupita Nyongo und Muhammed Ali. 

Einer der Gründe, warum Bankslave sich für Streetart entschied: Seine Kunst ist so kostenlos für jeden zugänglich. Dadurch kann Bankslave alle Menschen zu inspirieren. In Kenia und Uganda teilt er seine Leidenschaft für Streetart mit der nächsten Generation. Als Mentor zeigt er den Kindern und Jugendlichen Techniken und gibt seine Erfahrungen weiter. 

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Afri-Cans – Streetart Festival in Kampala

Workshops, Skateboarding und DJs: das Afri-Cans – Streetart Festival in Kampala präsentiert die Straßenkunst-Szene in Ostafrika. Die Gründer sparrowuganda und Mos Opten haben mit dem Format ein Netzwerk-Event für Streetart in Ostafrika geschaffen.

Afri-cans Streetart Festival
Afri-Cans Street Art Festival in Kampala, Uganda

Das Debut von Afri-Cans fand 2017 im Skatepark in Kampala, Uganda statt. Wegen der Corona-Pandemie konnte das Festival im Jahr 2020 nicht durchgeführt werden. Unter normalen Umständen findet es zweimal jährlich statt. Am Festival-Wochenende kommen nationale und internationale Künstler aus unter anderem Kenia, Tansania, Ruanda und Kanada nach Kampala. Mentoren teilen während des Events in Workshops ihr Wissen mit der nächsten Generation von Visionären.

Mehr zu Streetart in Afrika

Cale Waddacor ist ein südafrikanischer Künstler, Musiker, Fotograf und Dokumentarfilmer. Beim Skateboarden durch seine Heimatstadt Johannesburg entwickelte er eine Leidenschaft für urbane Kunst und Graffiti. Er begann Straßenkunstwerke zu fotografieren, um die aufstrebende Straßenkunstszene des Landes zu dokumentieren. 2011 startete er die Website Graffiti South Africa, die 2014 teil des gleichnamiges Buch wurde. Mit Street Art Africa erschien 2020 sein jüngstes Werk. Das Buch schildert die Geschichte und zeigt Talente der afrikanischen Streetart-Szene. Den Leser erwarten über 500 Illustrationen.

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