Aromen Sansibars: Besuch auf der Jozani Gewürzfarm
Aromen Sansibars: Besuch auf der Jozani Gewürzfarm
Bei Sansibar denken viele zuerst an Postkartenmotive: klares Meer, weiße Strände, Stone Town. Aber nach ein paar Strandspaziergängen fragt man sich irgendwann, was die Insel eigentlich noch so draufhat. Gewürzplantagen gibt es viele — oft ähnlich und nicht immer besonders spannend. Umso überraschter war ich bei der Jozani Gewürzfarm: kein Touristen-Gedränge, kein Showprogramm mit Zimtrinden — sondern ein entspannter Spaziergang voller echter Geschichten, intensiver Düfte und bodenständiger Herzlichkeit.
Anreise: 30–40 Min. von Paje, Taxi oder Dala-Dala · Beste Zeit: Morgens — kühler und ruhiger · Mitbringen: Bargeld für Gewürze direkt ab Farm, bequeme Schuhe, Insektenschutz · Was dich erwartet: Echter Rundgang, echter Guide, echter Duft — kein Touri-Programm
Der Weg von Paje zur Jozani Gewürzfarm ist unkompliziert. Die Strecke führt über eine gut ausgebaute Straße durch ländliche Gebiete und dichte Vegetation. Bequemste Variante: Taxi oder privater Fahrer, beides lässt sich in Paje leicht organisieren. Günstiger geht es mit dem Dala-Dala, mit eventuell einem Umstieg.
Nach der Ankunft wurden wir mit einem frischen Saft begrüßt und von Guide Ali in Empfang genommen. Ohne große Umschweife ging es direkt los durch den Garten — eine kurze Einführung in den Gewürzanbau auf Sansibar, das früher als Gewürzinsel bekannt war, dann startete der Rundgang durch die Plantage.
Die Farm ist in zwei Bereiche unterteilt. Der vordere Teil wirkt wie ein gepflegter Garten, in dem viele Pflanzen blühen. Erst im hinteren Bereich beginnt die eigentliche Plantage, wo die Pflanzen unter natürlicheren Bedingungen wachsen.
Die Farm beherbergt eine beeindruckende Vielfalt: Von Nelken — eines der wichtigsten Exportprodukte Sansibars — bis zu Kardamom, Pfeffer, Muskatnuss und Zimt ist alles dabei. Ali nahm sich viel Zeit und beantwortete geduldig alle Fragen rund um Anbau, Ernte und Verarbeitung.
Mein Liebling war Zimt: Nicht nur die Rinde, auch die Blätter duften intensiv und sind vielseitig einsetzbar. Besonders spannend: die Muskatnussfrucht. Beim Aufbrechen zeigt sich im Inneren das leuchtend rote Netz — das sogenannte Macis — das selbst ebenfalls als Gewürz genutzt wird.
Gewürze sind auf Sansibar mehr als Zutaten. Sie sind Geschichte. Die Insel war jahrhundertelang Dreh- und Angelpunkt des ostafrikanischen Gewürzhandels — arabische Händler, portugiesische Seefahrer, omanische Sultane haben alle hier ihre Spuren hinterlassen. Zimt, Nelken, Muskat und Pfeffer haben den Reichtum der Insel begründet und ihre Küche geprägt.
Ali erklärte, welche Pflanzen in der lokalen Medizin eingesetzt werden: Kurkuma gegen Entzündungen, Ingwer für die Verdauung, Zitronengras als natürlicher Insektenschutz. Vieles davon wächst in jedem Haushaltsgarten der Insel — als Selbstverständlichkeit, nicht als Exotik.
Am Ende des Rundgangs können Gewürze direkt von der Farm gekauft werden — frischer und günstiger als in den Läden von Stone Town. Nelken, Zimtstangen, getrocknete Vanilleschoten, Gewürzmi-schungen: alles in kleinen Papierpaketen, die nach Hause passen.
- Nelken: Das klassische Sansibar-Souvenir, intensiv im Duft und lange haltbar.
- Zimtstangen: Von der Rinde direkt geschnitten — ein anderes Kaliber als die Supermarkt-Variante.
- Gewürzmischungen: Fertig abgepackt für Pilau oder Biryani — mit Anleitung von Ali.
- Getrocknete Vanille: Sansibar zählt zu den wenigen Orten, wo Vanille noch auf der Plantage verarbeitet wird.
Die Jozani Gewürzfarm ist kein Muss für jeden Sansibar-Aufenthalt. Aber für alle, die die Insel tiefer verstehen wollen — ihre Geschichte, ihre Küche, ihre Pflanzen — ist sie ein echter Gewinn. Ali macht den Unterschied: kein auswendig gelerntes Script, sondern echtes Wissen mit echter Freude am Erklären. Zwei Stunden, die sich lohnen.
Ich kombiniere Sansibar gerne mit einer Tansania-Safari — vom Nyerere-Nationalpark bis zur Insel. Schreib mir.
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